Geschichte der SP
Die Sektion SP Dietlikon, gegründet 1907, umfasst zur Zeit 33 Mitglieder und zahlreiche Sympathisantinnen und Sympathisanten. Trotz ihrer geringen Grösse weisst die SP Dietlikon eine lange Tradition und eine interessante Geschichte auf.
Wie alles anfing
Am 16. Dezember 1906 gründeten Personen aus Dietlikon, Rieden und Wallisellen im Restaurant „Linde“ in Wallisellen eine SP Sektion. Die drei Sektionsteile wurden mitgliedermässig selbständig verwaltet. Aus alten Dokumenten ist zu entnehmen, dass im Jahre 1911 die drei Sektionsteile zusammen bereits 44 Mitglieder zählten.
Wenige Jahre später entwickelten sich Wallisellen und Dietlikon zu vollends eigenständigen Sektionen. Damit reiht sich die Gründung der SP Dietlikon ein in die zu jener Zeit schweizweit zahlreich entstehenden Arbeitervereine und sozialistischen Parteigruppierungen als Träger linker Politik.
Sozialistische Frauengruppe in den 1950er Jahren
In den Fünfzigerjahren – mit steigender Mitgliederzahl – begann man sich in der SP Dietlikon mit der Frage der Sektionsmitgliedschaft von Frauen zu befassen. An der Generalversammlung von 1954 stellte der Vorstand den Antrag auf Gründung einer sozialistischen Frauengruppe, insbesondere auch mit dem Ziel der politischen Bildung der Frauen. Sie war damals der Zeit weit voraus (das Frauenstimmrecht in der Schweiz wurde ja erst 1971 eingeführt)
Verantwortung der SP für Behördentätigkeit in Dietlikon
Schon früh war die SP in der Dorfpolitik in Behörden vertreten. Sie stellte seit den Anfängen bis in die Achtzigerjahre zwei Personen im Gemeinderat. Diese hatten sich mit ihren Kollegen aus dem Bauernstand und dem Gewerbe anfänglich um elementare Fragen zu kümmern, wie etwa dem Bau einer Wasserleitung zu einfachen Behausungen im ehemaligen Ried. In den Fünfzigerjahren stand die Wohnungsfrage und die Forderung nach sozialem Wohnungsbau im Vordergrund der SP Dorfpolitik. Der SP-Bauvorstand Heinrich Morf (Kantonsrat und von 1922 bis 1966 Gemeinderat) setzte sich für eine neue Bauordnung ein, die die Errichtung von Wohnblöcken erlaubte. Diese wurden von seinen politischen Gegnern zwar abschätzig als „Cervelat-Quartiere“ taxiert, sie gehörten jedoch schon bald auch zum Bild von Dietlikon und sind als Form des verdichteten Bauens auch in der heutigen Zeit von knapper werdenden Landreserven nicht mehr wegzudenken.
Ausbau der öffentlichen Bauten und Anlagen seit den 1960er Jahren
Die Zeit seit Beginn der Sechzigerjahren war für die SP-Vertreter in Gemeinderat und Schulpflege auch eine Zeit des Baus wichtiger öffentlicher Anlagen. Zwei Schulhäuser, das Gemeindehaus, die Badeanlagen zusammen mit Wangen-Brüttisellen und das Altersheim Hofwiesen wurden gebaut. Auch im Sozial- und Schulbereich waren die SP und ihre Behördenvertreter an zukunftsweisenden Projekten für die soziale Sicherheit der Dietliker Bevölkerung und an Projekten im Bildungsbereich beteiligt (Mitbegründung der Dezentralen Drogenhilfe Mittleres Glattal, Einrichtung eines Mittagstisches, einer Kinderkrippe und eines Hortes, Initiierung der teilautonomen Schule TaV, die 2005 mit dem neuen Volksschulgesetz institutionalisiert wurde).
100-Jahr Jubiläum der SP Dietlikon (2006)
Im Jahr 2006 feierte die SP Dietlikon ihr 100-jähriges Bestehen. Ein Jubiläum sollte nicht nur zum Anlass genommen werden, die Vergangenheit Revue passieren zu lassen, sondern auch Visionen für die Zukunft zu entwerfen. Im Glattal als boomender Region hat seit längerer Zeit faktisch eine Stadtbildung eingesetzt. Diese Entwicklung veranlasste die SP Dietlikon zu Beginn ihres Jubiläumsjahres zusammen mit den SP-Ortsparteien des Gemeindeverbundes Glow, die Arbeitsgruppe Glow ins Leben zu rufen. Diese versucht einen Prozess zu initiieren zur Schaffung einer neuartigen – nicht nur wie bisher auf Exekutivebene funktionierenden – Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden im Glattal. Direktdemokratische Strukturen sollen die Mitsprache der Bevölkerung bei anstehenden Problemen und der weiteren Entwicklung der Region gewährleisten.
Entwicklung Dietlikon vom Bauerndorf zur Zürcher Agglo-Gemeinde
Bei Kriegsende 1945 war Dietlikon noch ein Bauerndorf mit 28 Bauernbetrieben. Auch noch zehn Jahre später prägten zahlreiche Wiesen, Obstgärten, Äcker und kleine Gärten das Ortsbild (siehe Luftbild 1955). Mit der 1959 verabschiedeten neuen Bauordnung veränderte sich vieles. Das Dorf entwickelte sich zum Bahnhof hin, das Gebiet unterhalb des Bahnhofs (Eichelwiesen, Brunnenwiesen) wurde mit zahlreichen Wohn- und Hochhäusern bebaut. Weiter wurde eine 50.5 Hektaren grosse Gemeindefläche zur Industrie- und Gewerbezone eingezont. Die Beschäftigtenzahl wuchs stark an und bereits 1981 arbeiteten über 3400 Arbeitnehmende in Dietlikon. Mit dem Autobahnanschluss 1973 erhielt Dietlikon eine gute Verkehrs-Erschliessung und entwickelte sich zu einer typischen Agglomerationsgemeinde inmitten des Kantons Zürich.
Verlust an Grünflächen
Leider hatte diese Entwicklung auch eine Kehrseite. Die Zahl der Obstbäume ist um über 80% in den letzten sechzig Jahren zurückgegangen und viele Wiesen und Gärten (z.B. die ehemalige Rosengärtnerei) sind verschwunden. Der Erhalt der Grünflächen und Bäume im Siedlungsgebiet wird zu einem wichtigen politischen Thema, das auch die SP beschäftigt
Ausbau Bahnhof Dietlikon
Noch in den 70er-Jahren fuhr jeweils pro Stunde bloss ein Zug von Dietlikon nach Winterthur bzw. Zürich. Mit der Einführung der S-Bahn 1990 und dem Ausbau des Bahnhofs auf drei Gleise wurden neu vier Zugsverbindungen pro Stunde nach Zürich angeboten. Weiter wurden 1994 die ersten Buslinien der VBG an den Bahnhof herangeführt.
Mit dem Bau des 4. Gleises am Bahnhof und dem Neubau des Brüttenertunnels nach Winterthur (Projekt MehrSpur) wird sich die Fahrplandichte weiter erhöhen.